Österreich
 

"Massenmedien spielen [...] eine immer wichtiger werdende Rolle im Alltag von Herrn und Frau Österreicher." (Geretschläger, S. 5)

Das Regionalradiogesetz ebnete im Januar 1994 den Weg für die Zulassung des privaten Hörfunks im Alpenstaat. Damit gab es erstmals direkte heimische Konkurrenz für den ORF, der bis zu diesem Zeitpunkt alleiniger Hörfunkanbieter in Österreich war. Allerdings sendeten damals bereits ausländische Radiosender wie etwa "Radio CD" von Bratislava aus ihr Programm in Österreich. Seit 1998 gibt es in jedem Bundesland privaten österreichischen Hörfunk. Im Januar 2000 senden 10 Regional- und 43 Lokalradios kommerzielles Programm neben den vier öffentlich-rechtlichen Programmen des ORF.

Auch kommerzielles österreichisches Fernsehen begann verglichen mit anderen europäischen Ländern erst relativ spät. Während beispielsweise in Deutschland die ersten privaten Anbieter ab 1984 Programm ausstrahlen durften, setzte diese Entwicklung in Österreich erst rund zehn Jahre später ein. Im Herbst 1995 urteilte das Bundesverfassungsgericht: "Das Verbot, lokale Fernsehprogramme auszustrahlen ist ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Rundfunkfreiheit und somit verfassungswidrig."
1996 ging Zoom-TV im mit 120.000 Haushalten zweitgrößten Kabelnetz des Landes, dem Kabelverbund Linz-Wels-Steyr, auf Sendung. 1997 folgten ST-1 und Wien 1 (heute Austria TV), dessen Akzeptanz rasch stieg und 1998 die erste österreichische Satellitenlizenz erhielt.
Doch im Vergleich mit deutschen Privatsendern, die bereits seit mehreren Jahren auch Österreich als Kundenkreis entdeckt haben, bleibt ihr Marktanteil gering. Auch der ORF erreicht heute bei Zuschauern mit Kabel- oder Satellitenanschluss eine geringere Sehbeteiligung als ausländische Sender (Tabelle).

Im Bereich des Rundfunks befindet sich Österreich auf dem Weg in ein duales System. Es wird allerdings noch einige Zeit vergehen, bis auf dem österreichischen Rundfunksektor eine ähnliche Struktur wie in anderen europäischen Ländern erreicht sein wird. (Vgl. Steinmaurer, S. 509)

Rundfunkgeschichte

Am 1. 10. 1924 nimmt die RAVAG (Österreichische Radio-Verkehrs AG) unter der Leitung von Oskar Czeija ihren Sendebetrieb auf. Sie hat damals bereits 11.000 registrierte Teilnehmer. Das Programm besteht hauptsächlich aus Musik, Literatur und wissenschaftlichem Programm, Informationen werden erst später Bestandteil des Sendeprogramms. Der Aufbau des Sendenetzes schreitet aufgrund der Topographie Österreichs (70 % Bergland) und der damit verbundenen technischen Schwierigkeiten, nur langsam voran. Die durchschnittliche tägliche Sendedauer beträgt damals 3,5 Stunden.
1933 wird der Sender in den Dienst der vaterländischen Propaganda gestellt und der Sender München beginnt mit der geistigen Eroberung Österreichs. Als am 12. März 1938 deutsche Truppen die österreichische Grenze überschreiten, meldet sich die RAVAG bereits als "Deutschösterreichischer Rundfunk" und wird von diesem Zeitpunkt an von Berlin aus gelenkt.
Im April 1945 erreicht die Sowjetische Front Wien und bereits am Abend des 6. April meldet sich der Reichssender zum letzten Mal. Schon 10 Tage später wird mit dem Neuaufbau eines schwachen Notsenders unter der Leitung von Oskar Czeija begonnen. In den folgenden Jahren unterliegen die Sender der Zensur durch die Alliierten. Gemäß den vier alliierten Besatzungszonen, wird die RAVAG in vier Sendegruppen aufgeteilt:
· Radio Wien: Wien, Niederösterreich, Burgenland
· Sendergruppe Rot-Weiß-Rot: amerikanische Zone in Oberösterreich und Salzburg
· Sendergruppe Alpenland: englische Zone in der Steiermark und Kärnten
· Sendergruppe West: französische Zone
Ab 1953 werden diese restriktiven Maßnahmen nach und nach aufgehoben und die Sender gehen wieder in österreichischen Besitz über.

Im November 1957 findet die konstituierende Generalversammlung der neuen österreichischen Rundfunk Gesellschaft m. b. H. statt, wobei die Organe proporzmäßig auf politischer Ebene besetzt werden. Am 1. Januar 1958 nimmt die Gesellschaft ihren Radio- und Fernsehbetrieb auf.
Die Rundfunkarbeit leidet jedoch von Anfang an unter dem Proporzsystem. 1964 ruft die parteiunabhängige Presse zum Rundfunk-Volksbegehren auf. Mehr als 832.000 Österreicher unterschreiben für die Ausschaltung der Parteikontrolle beim Rundfunk.
Das Österreichisches Rundfunkgesetz tritt am 1. Januar 1967 in Kraft. Darin ist die Beseitigung des Parteizugriffs und Richtlinien zur Einhaltung einer möglichst objektiven Nachrichtengebung festgeschrieben.

Der ORF

Der ORF hat volle Programm-, Personal- und Finanzautonomie. Er liefert drei Hörfunkprogramme (Ö1: Kulturprogramm, Österreich Regional: Länderprogramm, Ö3: Unterhaltungsprogramm) und zwei vollwertige, einander ergänzende Fernsehprogramme.

Programm ORF 1:
Kinderprogramm, Sport, internationale Filme und Serien. Es richtet sich hauptsächlich an städtisches und vorwiegend jüngeres Publikum.

Programm ORF 2:
Infosendungen, Dokumentationen und betont österreichische Inhalte. Dieses Programm richtet sich eher an älteres, an heimischen Programmen interessiertes Publikum.

Heute verfügt der ORF über neun Landesstudios, die lokale Radioprogramme und im TV-Bereich am Vorabend halbstündige Infosendungen ausstrahlen. Er ist nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern arbeitet nach dem Prinzip der Kostendeckung und finanziert sich durch Teilnehmergebühren und Werbeeinnahmen. Die Rundfunkgebühr für Hörfunk und Fernsehen betrug 1998 284,5 Schilling im Monat, das entsprcht etwa 20,68 Euro.

1992 initiiert der ORF ein viertes Hörfunkprogramm, "Blue Danube Radio", das sich an Jugendliche richtet und überwiegend englischsprachig ist. Zusammen mit ZDF und SRG betreibt der ORF seit 1984 das Kulturprogramm 3sat.

Printmedien

Es gibt 17 Tageszeitungen, inklusive aller regionalen Titel 28. Die Gesamtauflage liegt bei ca. 2,8 Mio. Exemplaren. Die Reichweite beträgt bundesweit 77 %. Nur die fünf größten Zeitungen erwirtschaften Gewinn, alle anderen sind auf die Bundespresseförderung angewiesen (Tabelle).

Eine Besonderheit stellt die "Wiener Zeitung" dar. Sie erscheint seit 1703 und ist Eigentum des Bundes. Die "Kärntner Tageszeitung" (SPÖ), "Neues Volksblatt" und "Salzburger Volkszeitung" (ÖVP) sind Parteizeitungen. Die Druckauflage der Parteipresse liegt bei 62.000 Exemplaren, das entspricht 2,2% aller Zeitungen.

Es gibt ca. 100 verschiedene Wochenzeitungen. Die Stärkste Gruppe sind die lokalen und regionalen Blätter. Ca. 20% sind wöchentliche Kirchenblätter und kirchliche Sonntagsblätter.
Die Gesamtauflage der Wochenzeitungen beträgt ca. 1,5 Mio.

Illustrierte und Magazine
1970 wurden die Magazine "Trend" und "Profil" gegründet. Erst 20 Jahre später konnte die der Vormachtstellung deutscher Verlage gebrochen werden. 1995 wurden "TV-Media" und 1998 "Die ganze Woche" gegründet. Insgesamt gibt es ca. 100 Illustrierte und Magazine

Internet

22,7 % der Österreicher nutzen das Internet. Damit liegt Österreich hinter den skandinavischen Ländern im oberen Drittel Europas. Ein sehr beliebtes Angebot mit überwiegend redaktionellem Inhalt ist "ORFon", der ORF Nachrichtenkanal.

Links:

Bundesregierung www.bka.gv.at
ORF www.orfon.at
Profil www.profil.at/aktuell
News www.news.at

Quellen
Geretschlaeger, Erich. Massenmedien in Österreich. Wien: Bundespressedienst, 1998.

Statistische Jahrbuch / Europäische Audiovisuelle Inforationsstelle: Filmindustrie, Fernsehen, Video und Neue Medien in Europa. Straßburg: Informationsstelle, 1999

Steinmaurer, Thomas. Das Rundfunksystem Österreichs. In: Metzen, Christiane. Hans-Bredow-Insititut für Rundfunk und Fernsehen an der Universität Hamburg. Internationales Handbuch für Rundfunk und Fernsehen. Baden-Baden: Nomos, 2000.