Niederlande
 

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Europäische Medienkulturen | Niederlande

allgemeine Daten

Wussten Sie, dass die Niederlande zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Gemeinschaft gehören?

Amsterdam ist die Hauptstadt der Niederlande, aber das derzeitige Staatsoberhaupt, Königin Beatrix, residiert in Den Haag. Hier haben auch die Regierung und das Parlament - die Generalstaaten - ihren Sitz. Damit nehmen die Niederlande gemeinsam mit wenigen anderen Ländern weltweit eine Sonderstellung ein. So ist z.B. die Hauptstadt von Bolivien Sucre, Regierungssitz aber ist La Paz, und auch in Deutschland sind Hauptstadt (Berlin) und Regierungssitz (Bonn) noch nicht identisch. Daß diese Trennung auch in den Niederlanden besteht, ergibt sich aus der Geschichte des Landes.

Im Gegensatz zu vielen anderen westeuropäischen Monarchien ist in den Niederlanden der König Teil der Regierung. Seit der grundlegenden Verfassungsreform von 1848 sind die Niederlande eine konstitutionelle Erbmonarchie mit parlamentarischem System. Konstitutionell bedeutet, dass die Befugnisse des Königs in der Verfassung festgelegt sind. Die Verfassung regelt die Verteilung der Regierungsbefugnisse zwischen dem König und den anderen staatlichen Instanzen. Die Minister müssen gegenüber den Volksvertretern Rechenschaft für das Handeln der Regierung ablegen. Der König trägt keine politische Verantwortung, ist also dem Parlament auch nicht verantwortlich

Der Begriff "Versäulung" war früher kennzeichnend für die niederländische Gesellschaft. Mit den "Säulen" sind die weltanschaulichen Strömungen (katholisch, protestantisch, sozialistisch und liberal) gemeint, die vielen gesellschaftlichen Organisationen zugrunde lagen. Die Versäulung hat dazu beigetragen, dass es zwischen den verschiedenen weltanschaulichen Gruppen kaum zu Konflikten kam, da jede Gruppe mehr oder weniger eigenständig neben den anderen existierte. Beim Fernsehen, beim Hörfunk, in der Presse, im Bildungswesen, im Vereinsleben und in Interessenorganisationen ist dieses Phänomen bis heute erhalten geblieben.

Es dürfte heute nur sehr wenige Niederländer geben, die keinen Einwanderer unter ihren Vorfahren haben. Gegenwärtig haben gut 5 % der niederländischen Bevölkerung eine fremde Staatsangehörigkeit.

In den Niederlanden leben ungefähr 15.760.000 Personen. Die Niederlande sind klein - mit einer Fläche von 41 864 km2. Die Landeswährung ist der niederländische Gulden (1 EURO = 2,20371 Gulden). In einem Haushalt leben im Durchschnitt 2,45 Personen, es gibt 6.632.000 Fernsehhaushalte und cirka 6.000.000 Kabelanschlüsse. Die durchschnittliche Sehdauer beträgt 165 Minuten.

Ende 1999 verfügten die Niederlande über mehr als zehn Fernsehsender, mehr als 20 landesweite Radiosender, 13 regionale Fernseh- und Radiostationen sowie etwa 400 lokale Radiostationen, von denen einige auch ein lokales Fernsehprogramm anbieten. Diese versorgen 6,4 Millionen Haushalte.

Fernsehen

Die Niederlande haben seit den 20er-Jahren ein in der Welt einzigartiges öffentliches Rundfunksystem: Die Programme werden von sieben Rundfunkgesellschaften auf weltanschaulicher Grundlage gestaltet. Darüber hinaus gibt es die Niederländische Rundfunkprogrammstiftung (NOS), in der alle öffentlichen Sendeanstalten zusammenarbeiten, sowie die Niederländische Programmstiftung (NPS), die vor allem Kultursendungen und Programme für Jugendliche und ethnische Minderheiten ausstrahlt. Finanziert wird der öffentliche Rundfunk aus den Rundfunkgebühren, die fast alle Haushalte entrichten, und aus Werbeeinnahmen. Für die Rundfunkwerbung ist die Organisation Stichting Ether Reclame (STER) zuständig. Die Werbeblöcke werden zwischen den verschiedenen Sendungen ausgestrahlt; Programmunterbrechungen durch Werbung sind den öffentlichen Sendern nicht erlaubt.

Marktanteile der wichtigsten Sender:
Nederland 1 13 %
TV2 17 %
Nederland 3 10 %
RTL4 18 %
RTL5 4 %
Veronica 10 %
SBS6 10 %
TV10 2 %
TMF 1 %
Andere 12

Nederland 1:
Vielfältiges Angebot, indem Moral und Werte besonders betont werden. Besonders bei Fernsehspielen und Information.

TV2:
Kanal hat Schwierigkeiten, eine klare Identität zu finden: Familiensendungen, Sport, Dokumentationen, religiöse Sendungen machen ihn aber zum am meisten gesehenen öffentlichen Kanal.

Nederland 3:
Kultur und Information stehen im Mittelpunkt, auf diese Weise werden gebildetere Zuschauer angesprochen.

RTL4:
Familiensender, besonders bei Hausfrauen beliebt. Marktführer in den Niederlanden. 

RTL5:
Richtet sich mit einer Mischung aus Filmen, Nachrichten, Reality-Sendungen, Sport, Kabarett und Erotik an erwachsene Männer.

Veronica:
Hauptsächlich auf junge Leute ausgerichtet mit einem Programm voll mit Action, Sensationen, Dramatik und Sex. Veronica ist der einzige Anbieter mit einer eigenen Programmzeitschrift

SBS6:
Ist auf ein jüngeres und weniger gebildetes Publikum ausgerichtet. Verfügt über ein starkes Angebot an Spielfilmen und über einen Programm-Mix aus Reality-Shows, regional ausgerichteten Nachrichten und Sex.

TMF:
Erfolgreicher Konkurrent für MTV, zeigt Videoclips und Musikprogramme, mit einem Schwerpunkt auf niederländischen Produktionen, ist populär bei jungen Zuschauern.

Außer den niederländischen Sendern können via Kabel oder Satellit empfangen werden:
VRT1 und 2, BBC 1 und 2, ARD, ZDF, West 3, Nord 3, RTL Television, MTV, CNN, TNT, Eurosport, TV 5, Rai Uno, NBC Superchannel., MBC, TRT, Discovery, Cartoon Network, Childrens Channel, RTBF und andere.

Programmproduktion:
NOB ist noch immer der größte Anbieter von Studios und technischen Anlagen in den Niederlanden. NOB ist an vielen kleineren Produktions- und Ausstattungsgesellschaften in den Niederlanden beteiligt und expandiert auch ins Ausland, vor allem nach Deutschland und Osteuropa.
Endemol ist die stärkste unabhängige Produktionsfirma in den Niederlanden, sie besitzt eine große Zahl von Formaten und Stars (Gründung 1993).
 Der niederländische Fernsehmarkt ist eine Art Versuchsmarkt für Endemol-Sendungen; erfolgreiche Formate werden dann in andere europäische Staaten exportiert. Endemol produziert, hauptsächlich für private Anbieter Game-Shows, Soap-Operas, Talkshows und Fernsehspiele.

Das durchschnittliche Kabelnetz bietet 30 Fernseh- und 34 Radioprogramme, zu einem monatlichen Preis von 21 Gulden. Schon 1991 verfügten 91 % der Haushalte über einen Kabelanschluss.Trotz der Tatsache, dass Film Net/Canal Plus schon seit 16 Jahren auf dem Markt existiert, ist Pay-TV noch kein besonders profitables Geschäft in den Niederlanden.
Die Quoten bezüglich der Programminhalte wurden akzentuiert: Die öffentlichen Sender müssen 35 % Information und Bildung bringen, 25 % Kultur (wovon die Hälfte aus Kunst bestehen soll), 60 % der Sendungen müssen auf niederländisch ausgestrahlt werden, 50 % mit Untertiteln für Schwerhörige versehen sein. Unterhaltung darf pro Kanal 25 % nicht übersteigen.

Die Filmindustrie spielt in den Niederlanden eine eher untergeordnete Rolle: Jährlich werden zehn bis fünfzehn Spielfilme produziert, zum Teil als Gemeinschaftsproduktion mit anderen Ländern. Einige dieser Filme hatten auch im Ausland Erfolg. 1987 wurde Fons Rademakers für "De Aanslag" (Der Anschlag) der Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film verliehen. 1996 bzw. 1998 erhielten Marleen Gorris und Mike van Diem dieselbe Auszeichnung für "Antonia" bzw. "Karakter". "Robocop" und "Basic Instinct" von Paul Verhoeven und "Speed" und "Twister" von Jan de Bont wurden zu internationalen Kassenschlagern. Schauspieler wie Rutger Hauer, Renée Soutendijk und Jeroen Krabbé sind im Ausland ebenso bekannt wie in den Niederlanden. "Left Luggage" (Kalmans Geheimnis), bei dem Jeroen Krabbé die Regie führte, lief in über vierzig Ländern.

Das Internationale Filmfestival Rotterdam (Februar) und das Internationale Dokumentarfilmfestival in Amsterdam (Dezember) erfreuen sich international immer größerer Beliebtheit. Weitere Festivals sind das World Wide Video Festival (April) und das Niederländische Filmfestival in Utrecht (September). Auf dem Gebiet des Dokumentarfilms haben die Niederlande einige große Namen vorzuweisen. Johan van der Keuken etwa hat sich mit seinen künstlerischen Filmen auch im Ausland Ansehen erworben.

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Radio

Der Rundfunk ist als Public Service organisiert. Er wird nicht privaten oder nationalen Organisationen, sondern Zuschauer- und Zuhörervereinen überlassen.
Die Anzahl kommerzieller Sender übertrifft die der öffentlich-rechtlichen. 15 Sender besitzen eine terrestrische Frequenz, andere können nur über Kabel empfangen werden. Die Politik der Regierung ist auf die Schaffung von mehr terrestrischen Frequenzen ausgerichtet.
Hauptmerkmale sind Pluralität, Non-Profit und programmliche Autonomie der Rundfunktreibenden.


Öffentliche Sender
Radio 1: Nachrichten, Marktanteil 9 %
Radio 2: Easy Listening, Marktanteil 9 %
Radio 4: Klassik, Marktanteil 13 %
Radio 5: Kultur, Minderheiten, Marktanteil 2 %
Regionaler Rundfunk: Nachrichten/Talk, Marktanteil 15 %

Kommerzielle Sender
Sky Radio: Soft Pop-Musik nonstop, Marktanteil 15 %
Radio 10: Golden Oldies, Marktanteil 9 %
Radio 538: Top 40/Dance, Marktanteil 7 %
Radio Noordzee FM Niederländ: Popmusik, Marktanteil 7 %
Veronica FM: Top 40/Dance, Marktanteil 4 %
Classic FM: Klassik, Marktanteil 2 %
Arrow Classic Rock: Klassische Rockmusik, Martkanteil 1 %
JFK: Jazz/Funk, Marktanteil 0 %
Kink FM: Alternativer Rock, Marktanteil 0 %
Love Radio: Softrock, Marktanteil 0 %

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Print

Die wichtigsten Presseerzeugnisse in den Niederlanden sind die Tageszeitungen und die Zeitschriften. Es gibt vier große überregionale Tageszeitungen: De Telegraaf (Auflage: 756 000), Algemeen Dagblad (400 000), de Volkskrant (361 000) und NRC/Handelsblad (271 000). Außerdem gibt es zahlreiche Regionalzeitungen. Fast jeder niederländische Haushalt hat eine Tageszeitung abonniert.

Die Auswahl an Zeitschriften ist sehr groß. Es gibt Nachrichtenmagazine, Publikumszeitschriften, Programmzeitschriften und Fachzeitschriften. Die wichtigsten Nachrichtenmagazine sind Vrij Nederland, HP De Tijd und Elsevier. Trotz ihrer eher niedrigen Auflage haben sie relativ großen Einfluss. Viel höhere Auflagen erreichen die Publikumszeitschriften, z.B. die Frauenzeitschriften Libelle (750 000 Exemplare) und Margriet (525 000). Hohe Auflagen haben auch die Programmzeitschriften für Hörfunk und Fernsehen, die zumeist auch redaktionelle Beiträge enthalten.

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Quellen

Hans-Bredow-Insititut für Rundfunk und Fernsehen an der Universität Hamburg. Internationales Handbuch für Rundfunk und Fernsehen. Baden-Baden: Nomos, 2000.

Statistische Jahrbuch / Europäische Audiovisuelle Informationsstelle: Filmindustrie, Fernsehen, Video und Neue Medien in Europa. Straßburg: Informationsstelle, 1999

www.nederland.nl (Juni 2001)

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